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DB-Baureihe VT 95
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Als Baureihe VT 95 fĂŒhrte die Deutsche Bundesbahn (DB) ihre einmotorigen, als Schienenbussecite-ref-1[1] bezeichneten Leichttriebwagen. Sie wurden fĂŒr Nebenbahnen konzipiert, auf denen der Dampflokomotiv- oder Diesellokomotivbetrieb nicht rentabel war. Die Kennbuchstaben VT bedeuteten Verbrennungsmotortriebwagen. Ihre Einordnung erfolgte in den Stammnummernbereich VT 90 bis 99, der Schienenbussen, Leicht-, Schmalspur- und Sondertriebwagen vorbehalten war. Die Ordnungsnummer begann mit einer „9“, die fĂŒr mechanische KraftĂŒbertragung stand.

Ab 1968 wurden die Fahrzeuge mit der EinfĂŒhrung der EDV-gerechten Baureihenbezeichnungen als Baureihe 795 gefĂŒhrt.

Contents

‱ Geschichte
‱ Prototypen
‱ Serienwagen
‱ Luxemburg
‱ Jugoslawien
‱ Italien
‱ Uruguay
‱ Nachfolger
‱ Verbleib
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Hintergrund

Die deutschen Bahnverwaltungen arbeiteten in den Mangeljahren nach dem Zweiten Weltkrieg zunĂ€chst das verfĂŒgbare, aber grĂ¶ĂŸtenteils beschĂ€digte oder abgewirtschaftete Fahrzeugmaterial auf. Im September 1949 ĂŒbernahm die Deutsche Bundesbahn 74 zweiachsige, fĂŒr die Deutsche Reichsbahn beschaffte Motortriebwagen fĂŒr Nebenbahnen. HauptsĂ€chlich waren es dieselmechanische Fahrzeuge, vor allem 32 Exemplare des 1937/38 gebauten „Einheits-Nebenbahn-Triebwagens“ der Bauart 34 (VT 70.9), aber auch zahlreiche Kleinstserien und EinzelstĂŒcke mit verschiedenen Antriebskonzepten. In Anbetracht des Rationalisierungsbedarfs bezĂŒglich der Nebenstrecken waren das zu wenige, zudem zu uneinheitliche Fahrzeuge.cite-ref-de40ff-2-0[2]

Geschichte

Auf dem 11.700 Kilometer umfassenden westdeutschen Nebenbahnnetz hatte sich in der Nachkriegszeit der Betrieb mit Dampflokomotiven zu einem unwirtschaftlichen Kostenfaktor entwickelt. 1948 stellte die Deutsche Reichsbahn im Vereinigten Wirtschaftsgebiet (der sogenannten Bizone) daher einen Forderungskatalog fĂŒr einen leichten Dieseltriebwagen auf. Das Lastenheft sah ein zweiachsiges Fahrzeug vor, das wegen seiner eisenbahnuntypischen Bauweise nicht mit herkömmlichen Eisenbahnfahrzeugen gekuppelt werden sollte. SelbsttĂ€tig wirkende Mittelpufferkupplungen des Typs „Scharfenberg leicht“ sollten das bedarfsweise MitfĂŒhren spezieller Beiwagen ermöglichen. Anstelle regulĂ€rer Zug- und Stoßeinrichtungen waren einfache StoßfederbĂŒgel als Aufstoßschutz vorgesehen. Der Triebwagen sollte mindestens 40 SitzplĂ€tze und eine Toilette aufweisen. Motor, Getriebe und weitere Bauteile sollten der Produktion von Straßenbussen entnommen werden, um den Anschaffungspreis niedrigzuhalten.cite-ref-jh21-3-0[3]

Die Waggonfabrik Uerdingen hatte 1933 einen „Schienen-Autobus“ mit einem Opel­motor fĂŒr die LĂŒbeck-Segeberger Eisenbahn und 1936 einen weiteren Triebwagen (mit Beiwagen) fĂŒr die LĂŒbeck-BĂŒchener Eisenbahn gebaut. Die beiden Triebwagen nahmen rĂŒckblickend schon viele Elemente der spĂ€teren Uerdinger Schienenbusse der Deutschen Bundesbahn vorweg.cite-ref-4[4]

Im Juni 1949 kam es zu einem Treffen von Vertretern der Waggonfabrik Uerdingen und der Offenbacher Reichsbahn-Hauptverwaltung, bei dem die wirtschaftlich-technischen Anforderungen festgelegt wurden. Da gemĂ€ĂŸ der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) der grĂ¶ĂŸte zulĂ€ssige feste Achsstand bei nicht radial einstellbaren RadsĂ€tzen 4,5 m betrug, musste die LĂ€nge von zehn Metern bei einer Breite von drei Metern mit vergleichsweise langen ÜberhĂ€ngen (Differenz zwischen Achsabstand und GesamtlĂ€nge) erkauft werden. Der selbsttragende Wagenkasten sollte aus geschweißten StahlprofiltrĂ€gern und Außenblechen aus Leichtmetall bestehen. FĂŒr den möglichen Einsatz auch auf Hauptstrecken wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h gefordert, die mit dem neuen Unterflurmotor U 9 von BĂŒssing erreicht werden sollte.cite-ref-jh21-3-1[3] Der Anschaffungspreis sollte die Obergrenze von 50 000 DM nicht ĂŒberschreiten.cite-ref-ejs19-5-0[5]

Prototypen

Von MĂ€rz bis August 1950cite-ref-rl16-6-0[6] lieferte die Waggonfabrik Uerdingen die Prototypen VT 95 901 bis 910 und sechs gleichartige Beiwagen VB 140 701 bis 706 (spĂ€ter: VB 141 001 bis 006)cite-ref-jh21-3-2[3] an die inzwischen gegrĂŒndete Deutsche Bundesbahn. Diese Fahrzeuge wiesen den höchstzulĂ€ssigen Achsstand fĂŒr nicht radial einstellbare RadsĂ€tze von 4,5 m auf, sie waren 10,50 m lang und 3,00 m breit. Erst der im November 1950 in Dienst gestellte VT 95 912 (spĂ€ter: VT 95 9112) besaß – aufgrund einer Ausnahmegenehmigung – mit 6,0 m bereits den Achsstand der spĂ€teren Serienfahrzeuge. Die Frontgestaltung der Trieb- und Beiwagen mit der heruntergezogenen Dachkante wich von den Serienfahrzeugen ab.

Das Laufwerk ließ sich vollstĂ€ndig vom selbsttragenden Wagenkasten trennen. Dieser bestand aus einem geschweißten Stahlgerippe mit Leichtmetallbeblechung und bildete mit dem Wagenboden aus Wellblech eine Einheit. Mittels gummigelagerter PendelgehĂ€nge war er vom Laufwerk schwingungs- und schallisoliert. Die SitzbĂ€nke in der Anordnung 2+3 boten 41 (beim VT 95 912: 51) SitzplĂ€tze. Sie hatten je nach Fahrtrichtung umklappbare RĂŒckenlehnen, nur beim VT 95 911 waren die Sitze starr vis-Ă -vis angeordnet. Hinzu kamen 12 (VT 95 911: 6, VT 95 912: 8) Klappsitze. Auch der (jeweils unbenutzte) Sitz des TriebfahrzeugfĂŒhrers konnte umgeklappt und dann von FahrgĂ€sten benutzt werden.cite-ref-ejs22-7-0[7]

Trieb- und Beiwagen waren durch Rockinger-Trichterkupplungen, die fĂŒr den Schienenverkehr eine eigene Zulassung benötigten,cite-ref-ejs19-5-1[5] miteinander verbunden, spĂ€ter wurden vereinfachte Scharfenbergkupplungen der Serienwagen nachgerĂŒstet.cite-ref-rl100-8-0[8] Die Triebwagen 901 bis 910 hatten, um 51 SitzplĂ€tze und eine Toilette unterbringen zu können,cite-ref-ejs19-5-2[5] diagonal versetzt jeweils nur eine TĂŒr auf jeder Wagenseite, was sich schnell als unzureichend herausstellte.cite-ref-9[9] Mit dem ansonsten identischen VT 95 911, der fĂŒr die Betriebsvereinigung der SĂŒdwestdeutschen Eisenbahnen (SWDE) in der französischen Besatzungszone gefertigt wurde,cite-ref-10[10] entstand ein erstes viertĂŒriges Fahrzeug. Die Beiwagen, die Platz fĂŒr Traglasten und GepĂ€ck boten, waren sĂ€mtlich mit vier TĂŒren ausgestattet.cite-ref-ejs19-5-3[5] Nur die Triebwagen VT 95 909 und 910, die anfangs als CPw bezeichnet wurden, hatten ein GepĂ€ckabteil.cite-ref-rl14-11-0[11]

Die gedrosseltencite-ref-ejs19-5-4[5] Sechszylinderdieselmotoren der Bauart U 9 von BĂŒssing leisteten je 110 PS.cite-ref-md50-12-0[12] Um die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreichen zu können, kamen ein sechsgĂ€ngiges Elektromagnetgetriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen (Bauart Faun) zur Anwendung, das auf eine der beiden Achsen wirkte,cite-ref-ejs22-7-1[7] und eine von Uerdingen entwickelte pendelnde WagenkastenaufhĂ€ngung, die eine adĂ€quate Laufruhe versprach.cite-ref-ejs19-5-5[5] Die Federung der Achsen erfolgte mittels Blattfedern.cite-ref-ejs22-7-2[7]

Die WagenkÀsten sÀmtlicher Fahrzeuge waren bei der Auslieferung rot (RAL 3004), die DÀcher mit silberner Alu-Dachfarbe lackiert. Der untere Kastenrand und das Untergestell waren schwarz.cite-ref-13[13]

Der StĂŒckpreis eines zweitĂŒrigen Triebwagens betrug 79 180 DM.cite-ref-ejs19-5-6[5] Der eigene VorfĂŒhrungszug des Herstellers wurde im Sommer 1950 fertiggestellt und im August jenes Jahres zu einem Sonderpreis als VT 1/VB 1 an die LĂŒbeck-Segeberger Eisenbahn verkauft.cite-ref-14[14]

Im Dezember 1951 erteilte der Bundesverkehrsminister auf DrĂ€ngen des Bundesbahn-Zentralamts eine Ausnahmegenehmigung fĂŒr die VerlĂ€ngerung des festen Achsstands,cite-ref-jh23-15-0[15] daher konnte der Prototyp VT 95 912 einen auf 12,75 Meter verlĂ€ngerten Wagenkasten erhalten. Der Achsstand von 6,0 Metern eröffnete neben der VergrĂ¶ĂŸerung des Platzangebots die Möglichkeit, eine zweite Maschinenanlage einzubauen, was fĂŒr den Einsatz auf Steilstrecken unerlĂ€sslich war. Das Fahrzeug wurde mit eigener Statik neu durchkonzipiert, u. a. wurden die ÜberhĂ€nge weiter vergrĂ¶ĂŸert und die TĂŒren von den FĂŒhrerpulten zurĂŒckgezogen.cite-ref-ejs21-16-0[16]

Die Prototypen sollten unter unterschiedlichen klimatischen und topographischen Bedingungen getestet werden.cite-ref-jh22-17-0[17] In Betrieb genommen wurden sie wie folgt:cite-ref-18[18]

‱ VT 95 901 am 16. Mai 1950 im Bahnbetriebswerk Husum
‱ VT 95 902 am 18. Mai 1950 im Bahnbetriebswerk Flensburg, mit Beginn des Winterfahrplans 1950/51 nach Husum umstationiert
‱ VT 95 903 und 904 (9. Mai 1950), 905 (6. Juni 1950), 907 (1. Juli 1950) im Bahnbetriebswerk Kempten (AllgĂ€u)
‱ VT 95 906 am 23. Juni 1950 im Bahnbetriebswerk Flensburg, mit Beginn des Winterfahrplans 1950/51 nach Husum
‱ VT 95 908 am 15. Oktober 1950 in Heiligenhafen, am 2. Dezember 1950 nach Kempten (AllgĂ€u)
‱ VT 95 909 (CPw) am 4. August 1950 in Heiligenhafen
‱ VT 95 910 (CPw) am 3. August 1950 in Kempten, am 1. Dezember 1950 nach Heiligenhafen
‱ VT 95 911 (ViertĂŒrer; SWDE) im August 1950 im Bahnbetriebswerk Konstanz
‱ VT 95 912 (ViertĂŒrer, 6,0 Meter Achsstand) 1951 in Kempten (AllgĂ€u)

Im ersten Betriebsjahr erreichten die Triebwagen der DB Laufleistungen von durchschnittlich 114 000 Kilometern, dabei standen 3086 Plantagen nur 281 Ausfalltage gegenĂŒber.cite-ref-jh22-17-1[17] Probleme bereitete das ruckfrei schaltbare, elektromagnetisch gesteuerte Sechsganggetriebe der Zahnradfabrik Friedrichshafen hinsichtlich der Wartung und der ZuverlĂ€ssigkeit. Die aus der Straßenbahnfertigung ĂŒbernommene Knorr-Bremsanlage, bei der die Druckluft-Scheibenbremsen ĂŒber ein Pedal bedient wurden, war vor allem fĂŒr altgediente LokfĂŒhrer ungewohnt.cite-ref-jh23-15-1[15] Sie erwies sich als unterdimensioniert und schwer dosierbar. Die Wagen 908 und 910 wurden daher bereits ab Werk mit starr aufgehĂ€ngten Magnetschienenbremsen ausgerĂŒstet.cite-ref-ejs22-7-3[7]

Drei viertĂŒrige Triebwagen der Prototyp-AusfĂŒhrung mit 4,5 Metern Achsstand wurden von deutschen Privatbahnen erworben: die Tecklenburger Nordbahn (TN) orderte einen Triebwagen (T 5, ausgeliefert im Juni 1951), die Hohenzollerische Landesbahn (HzL) zwei Einheiten aus Trieb- und Beiwagen (VT 6/7 und VB 16/17, ausgeliefert nach den Fahrzeugen fĂŒr die CFL).cite-ref-ejs51-19-0[19] Zehn viertĂŒrige Triebwagen mit passenden Beiwagen kaufte die Luxemburger staatliche Eisenbahngesellschaft Chemins de Fer Luxembourgeois (CFL). All diese Fahrzeuge wurden zwischen Juni und Oktober 1951 fertiggestellt.cite-ref-ejs21-16-1[16]

Der Prototyp VT 95 906 wurde 1964 zu einem Indusi-Messwagen umgebaut und fortan von der Signalwerkstatt Wuppertal mit der neuen Baureihenbezeichnung 724 eingesetzt. Das zunĂ€chst weiterhin rot lackierte Fahrzeug erhielt 1977 zwei große Dachscheinwerfer und separate Schlussleuchten. Der Dieselmotor wurde durch einen BĂŒssing U 10 mit 150 PS ersetzt, der Wagenkasten gelb lackiert.cite-ref-md50-12-1[12] Der Triebwagen blieb als einziges Prototypfahrzeug der Deutschen Bundesbahn erhalten und gehört heute der Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft. Alle anderen wurden in den Jahren 1955 bis 1966 ausgemustert und verschrottet.

1955 erwarb die LĂŒbeck-Segeberger Eisenbahn den „langen“ VT 95 9112 samt Beiwagen VB 142 004 (als VT 2 und VB 2) und wurde so zum ersten Abnehmer gebrauchter DB-Schienenbusse. Die VT 1 und VB 2 wurden 1967 verschrottet. Die VT 2 und VB 1 wurden 1965 an die Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn (BHE) weitergegeben. Sie wurden 1969 abgestellt und 1978 verschrottet. Der VT 7 der HzL hatte 1970 einen Unfall und wurde – wie auch der VB 16 – ausgemustert und verschrottet. Die VT 6 und VB 17 wurden 1973 verkauft. Der Triebwagen der TN lief dort bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1970, wurde dann an die Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft verkauft und 1973 ausgemustert.cite-ref-ejs51-19-1[19]

Serienwagen

Aus den beim Bau der Prototypen gewonnenen Erfahrungen wurden die VT 95.9 entwickelt, die ab 1952 von der Waggonfabrik Uerdingen und ab 1954cite-ref-rl16-6-1[6] auch von MAN gebaut wurden. Geliefert wurden 557 einmotorige Triebwagen der Baureihe VT 95.9 sowie 564 Beiwagen der Baureihe VB 142. Da die dreistelligen Ordnungsnummern nicht ausreichten, wurde ab der zweiten Bauserie hinter der „9“ eine zusĂ€tzliche Ziffer (beginnend ab „1“) eingefĂŒgt. Der erste Wagen dieser Serie wurde somit als 95 9173 statt 95 973 bezeichnet, auf die EinfĂŒhrung einer angedachten Baureihe VT 96 konnte verzichtet werden (95 9201 statt 96 901).cite-ref-20[20] Auch der Prototyp 95 912 und die Triebwagen der ersten Serie wurden nachtrĂ€glich entsprechend umbezeichnet, z. B. wurde aus dem 95 913 der 95 9113.

Wie beim Prototyp VT 95 9112 betrug der Achsstand der Triebwagen 6,0 Meter, der Wagenkasten war 12,75 Meter lang.cite-ref-ejs34-21-0[21] Die LĂ€nge ĂŒber StoßfederbĂŒgel belief sich zunĂ€chst auf 13,265 Meter, ab dem Wagen 9270 auf 13,295 m.cite-ref-jh23-15-2[15] Die Motorisierung bestand zunĂ€chst aus einem BĂŒssing-Unterflurmotor U 9 mit angeflanschtem elektromechanischen Sechsganggetriebe. Er leistete 110 PS bei 1800 min−1, wurde bei einigen Triebwagen der ersten Bauserie aber bereits auf 130 PS bei 1900 min−1 eingestellt. Seine Weiterentwicklung als U 9A fĂŒhrte zu 130 PS bei 1800 min, mit Abgasturbolader – den einige Triebwagen probeweise erhielten – leistete dieser sogar 150 PS. Schließlich griff die Deutsche Bundesbahn auf den bereits 1950 von BĂŒssing angebotenen Motor U 10 mit 150 PS bei 1900 min−1 zurĂŒck.cite-ref-rl19-22-0[22]

Die Beiwagen VB 142 hatten einen Achsstand von nur 4,5 Metern und waren 11,048 Meter lang,cite-ref-jh23-15-3[15] was das Drehen eines aus einem Trieb- und einem Beiwagen bestehenden Zugs auf einer Einheitsdrehscheibe zuließ. Sie wurden von den Firmen Uerdingen, Orion, WMD und Rathgeber gebaut.cite-ref-rl16-6-2[6] Da nur sie ein GepĂ€ckabteil aufwiesen, war die Mitnahme von FahrrĂ€dern und GepĂ€ck bei einzeln fahrenden Triebwagen problematisch. Daher beschaffte die Deutsche Bundesbahn 60 EinachsanhĂ€nger der Baureihe VB 141 fĂŒr den Fahrrad- und GepĂ€cktransport. Zehn stammten von WMD, 50 von der Waggonfabrik Fuchs aus Heidelberg. Sie waren ĂŒberwiegend aber nur bis Anfang der 1960er Jahre im Einsatz.cite-ref-rl14-11-1[11] Trieb- und Beiwagen verfĂŒgten jeweils ĂŒber eine Toilette.

In der Regel verkehrten die VT 95 mit einem Beiwagen, vor allem auf Mittelgebirgsstrecken auch solo. Auf dem flachen Land konnten die Triebwagen auch zwei Beiwagen mitfĂŒhren.cite-ref-rl19-22-1[22] Da keine Steuerwagen beschafft wurden, mussten die Triebwagen in den Endbahnhöfen umsetzen. 1954 wurde, zunĂ€chst bei 17 Trieb- und Beiwagen, eine Vielfachsteuerung, die sogenannte Kleinsteuerung eingebaut. Sie ermöglichte, mehrere VT 95 in einem Zug von nur einem FĂŒhrerstand aus zu steuern. Damit konnten ZĂŒge aus zwei Trieb- und einem oder zwei Beiwagencite-ref-de40ff-2-1[2] eingesetzt werden, wobei die beiden Triebwagen an den Zugenden und die Beiwagen in der Mitte liefen.cite-ref-23[23] Diese Betriebsweise vereinfachte die Richtungswechsel an den Linienenden deutlich. Das Ausbesserungswerk Kassel rĂŒstete in den folgenden Jahren 185 Triebwagen entsprechend nach.cite-ref-rl19-22-2[22]

Auch nicht mit der Kleinsteuerung nachgerĂŒstete VT 95 / VB 95 wurden in der gleichen Konfiguration wie oben beschrieben eingesetzt. Hierbei war der vorderste und der hinterste FĂŒhrerstand mit einem TriebfahrzeugfĂŒhrer besetzt. Die Kommunikation der beiden Fahrer erfolgte ĂŒber einen Summer mit festgelegten Signalen. Die Taste hierfĂŒr befindet sich ganz rechts unten im Fahrpult und ist mit „Summer“ beschriftet.

Der ZugfĂŒhrer erteilte den Abfahrauftrag ebenfalls ĂŒber den Summer. Die Tasten hierfĂŒr befanden sich oberhalb der EinstiegstĂŒren von Motor- und Beiwagen. Sie waren damit zu einem gewissen Grade vor unbefugtem Zugriff geschĂŒtzt.

Die Triebwagen VT 95 9112 bis 9269 wurden mit zwei Oberlichtfenstern im Stirnbereich ausgeliefert. Alle weiteren Fahrzeuge wurden ohne diese Fenster geliefert, da diese den TriebfahrzeugfĂŒhrer bei hohem Sonnenstand blenden konnten. SpĂ€ter wurden die Oberlichter bei allen Triebwagen ĂŒberstrichen, zum Teil auch verblecht. Der Triebwagen 9176 erhielt, abweichend von der Serie, gesickte SeitenwĂ€nde, und blieb damit ein EinzelgĂ€nger.cite-ref-24[24] Die VT 95 9569 und VB 142 515 wurden anstelle der Stahlfederung versuchsweise mit einer Luftfederung ausgestattet, die sich bei dieser Baureihe aber nicht durchsetzte.cite-ref-rl19-22-3[22] Ein weiterer EinzelgĂ€nger war der 1955 bei Uerdingen gebaute Ultraleichtbeiwagen VB 142 901, der einen Achsstand von sechs Metern aufwies und dabei nur 6250 kg wog.cite-ref-md70ff-25-0[25] Im Sommer 1953 stattete Uerdingen drei Triebwagen der zweiten Bauserie fĂŒr die bis dato als Zahnradbahn betriebene Steilstrecke Erlau–Wegscheid mit zwei Motoren aus. Die Triebwagen wurden als VT 98 901 bis 903 bezeichnet. Sie bewĂ€hrten sich auf der bis zu 68,9 ‰ steilen Strecke und beschleunigten so den Übergang zur Baureihe VT 98.9.

1956 wurde das Dreilicht-Spitzensignal eingefĂŒhrt. Die Triebwagen ohne Oberlichter erhielten einen integrierten dritten Scheinwerfer im Dachbereich, wĂ€hrend bei den anderen ein Pkw-Scheinwerfer als drittes Spitzensignal aufgesetzt wurde. Ab dem VT 95 9270 waren alle Triebwagen serienmĂ€ĂŸig mit einer Magnetschienenbremse ausgerĂŒstet, Ă€ltere Fahrzeuge wurden nachgerĂŒstet.cite-ref-md70ff-25-1[25] Statt gewöhnlicher Zug- und Stoßeinrichtungen mit Puffern besaßen die Fahrzeuge leichte Scharfenbergkupplungen und StoßfederbĂŒgel.cite-ref-26[26]

Der Innenraum war schlicht gehalten und Ă€hnelte damaligen Omnibussen beziehungsweise Oberleitungsbussen. Es handelte sich um Großraumwagen mit Mittelgang. Die 56 SitzplĂ€tze verteilten sich auf zwölf SitzbĂ€nke fĂŒr je drei und zehn SitzbĂ€nke fĂŒr je zwei FahrgĂ€ste. Dazu kamen sieben Klappsitzecite-ref-ejs26-27-0[27] und eine Toilette.cite-ref-28[28] Das Fahrgastabteil eines Beiwagens wies 31 SitzplĂ€tze auf, dazu 10 Klappsitze im GepĂ€ckabteil.cite-ref-ejs26-27-1[27] Die RĂŒckenlehnen der SitzbĂ€nke konnten durch die FahrgĂ€ste je nach aktuellem Bedarf umgeklappt werden (zum Beispiel, um in Fahrtrichtung zu sitzen) und ermöglichten somit auch wahlweise komplette Reihen- oder Vis-Ă -vis-Bestuhlung. Die Beleuchtung erfolgte mit unverkleideten GlĂŒhlampen. Der TriebwagenfĂŒhrer bediente mit der linken Hand den Schalter der vereinfachten Sicherheitsfahrschaltung (Totmannknopf) an seinem Fahrersitz, mit einem Pedal wurde Gas gegeben. Die Bremsen der Serienfahrzeuge wurden durch ein FĂŒhrerbremsventil bedient.cite-ref-jh23-15-4[15] Da die FĂŒhrerstĂ€nde baulich nicht vom Fahrgastraum getrennt waren, konnten die FĂŒhrertische mit hölzernen RolllĂ€den verschlossen werden. Der Handgriff des außerhalb des Rollos liegenden FĂŒhrerbremsventils wurde beim FĂŒhrerstandswechsel vom TriebfahrzeugfĂŒhrer mitgenommen, ebenso der Gangwahlschalter.

In den Jahren 1956 und 1957 wurden 15 VT 95 (95 9901–95 9915) und zwölf (von 15 bestellten) VB 142 an die Eisenbahnen des Saarlandes ausgeliefert. Da sie hĂ€tten importiert und verzollt werden mĂŒssen, wurden sie in Lizenz bei der Waggonfabrik LĂŒttgens in SaarbrĂŒcken-Burbach gebaut. Die Triebwagen erhielten Dieselmotoren der französischen Firma Berliet, die von der Deutschen Bundesbahn 1962/63 durch solche des Typs BĂŒssing U 10 ersetzt wurden. Ein Teil trug den roten Anstrich der Deutschen Bundesbahn mit der Aufschrift SAAR. Entgegen der ĂŒblichen Betriebspraxis durften die VT 95 im Saarland auch mit zwei VB 142 eingesetzt werden. Mit der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1957 wurden diese und die spĂ€ter gelieferten Fahrzeuge von der Deutschen Bundesbahn ĂŒbernommen.cite-ref-29[29]

In Norddeutschland waren die VT 95 vorwiegend auf Nebenbahnen oder auf Kurzstrecken auf Hauptbahnen eingesetzt. Dagegen gab es im sĂŒddeutschen Raum auch EinsĂ€tze im zuschlagpflichtigen Eilzugdienst und als TouristiksonderzĂŒge. Zur Steigerung der StreckenattraktivitĂ€t fĂŒhrte die Deutsche Bundesbahn neue Zuggattungen ein, die auf den Einsatz von Schienenbussen anstelle von DampfzĂŒgen hinweisen sollten: To (Schienenomnibus), So (StĂ€dteschnellverkehrsschienenomnibus) und Nto (Nahschnellverkehrsschienenomnibus). Anfang der 1960er Jahre wurden die Bezeichnungen durch ein Triebwagensymbol ersetzt.cite-ref-jh23-15-5[15]

Ab 1964 wurden einige VT 95 mit der „kleinen SonderausrĂŒstung“ (unter anderem RĂŒckspiegel und tragbare Fernsprecher) versehen, die einen Betrieb ohne Zugbegleiter ermöglichte. 1968 erhielten die Triebwagen die neue Baureihennummer 795 mit den letzten drei Zahlen der Ordnungsnummer, die Beiwagen die Baureihennummer 995. Zwischen 1971 und 1974 erhielten alle Triebwagen Fahrzeugeinrichtungen der induktive Zugbeeinflussung Indusi.cite-ref-30[30]

Die letzten VT 95 wurden 1980 bei der Deutschen Bundesbahn ausgemustert. Lediglich das Bahnbetriebswerk Köln-Nippes hielt den 795 445 noch bis 1983 fĂŒr die Beförderung von Mitarbeitern zur BrĂŒckenmeisterei Köln vor.cite-ref-db-1951-1952-31-0[31]

VT 95 bei Privatbahnen

Im November 1951 wurden ein Triebwagen an die Tecklenburger Nordbahn (T 5) und je zwei Trieb- und Beiwagen (VT 6 und 7, VB 16 und 17) an die Hohenzollerische Landesbahn geliefert. Die Triebwagen entsprachen dem Prototyp VT 95 911 identisch. Mit dem VT 30 (mit Beiwagen) der Vorortbahn Wilhelmshaven gelangte eine einzige fabrikneue VT-95-Garnitur der SerienausfĂŒhrung 1952 zu einer Privatbahn.

Zudem erwarben Privatbahnen von der Deutschen Bundesbahn gebrauchte VT 95:

‱ ein kurzer Prototyp (als VT 1) mit Beiwagen (als VB 1) ging an die LĂŒbeck-Segeberger Eisenbahn
‱ der lange Prototyp 95 9112 1958 an die LĂŒbeck-Segeberger Eisenbahn, 1965 weiter zur Buxtehude-Harsefelder Eisenbahn
‱ zwei Serienwagen an die Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter: der 795 160 als VT 3 und der 795 161 als VT 2, beide wurden blau (unterhalb des Fensterbands) und hellblau (Dach und Fensterband) umlackiertcite-ref-32[32]
‱ Serienwagen 795 398 1976 als Bahndienstwagen an die Köln-Bonner Eisenbahnen (KBE)cite-ref-33[33], als VT 1 bei der HĂ€fen und GĂŒterverkehr Köln AG erhaltencite-ref-ejs54-34-0[34]
‱ Serienwagen 795 322 1981 als Bereisungswagen 750 an die Ruhrkohle AG – 1997 nach Unfall verschrottetcite-ref-ejs54-34-1[34]

„Privatbahn-VT 98“

Nachdem die Privatbahnen am VT 95 wenig Interesse zeigten, entwickelte Uerdingen 1953 eine FrontverstĂ€rkung fĂŒr die Triebwagen zur Anbringung von HĂŒlsenpuffern und Schraubenkupplungen. Damit waren die ab 1954 angebotenen Fahrzeuge ertĂŒchtigt, als Schlepptriebwagen auch GĂŒter- und Personenwagen mitzufĂŒhren. Der Motor U 9A von BĂŒssing konnte aufgeladen mit bis zu 150 PS Leistung geliefert werden, der neu entwickelte U 10 sogar mit 180 PS. Zu diesen Triebwagen wurden – mit einer Ausnahme – nur entsprechende Beiwagen mit 6 m Achsstand angeboten.cite-ref-ejs51ff-35-0[35]

Zu jener Zeit gab es die Baureihe VT 98 noch nicht. Die Bezeichnung „Privatbahn-VT 98“ ist jĂŒngeren Datums und bezog sich allein auf das optische Erscheinungsbild, nicht jedoch auf die technischen Aspekte der einmotorigen Triebwagen.cite-ref-ejs51ff-35-1[35] Im Gegensatz zu den VT 98 waren die Pufferteller der ersten Privatbahn-VT 98 kreisrund.

Erster KĂ€ufer von Privatbahn-VT 98 war die Bentheimer Eisenbahn (BE). Die als T 2 (Triebwagen) und VB 23 (Beiwagen) bezeichneten Fahrzeuge wurden Ende der 1960er Jahre als VT 3.11 und VB 3.90 an die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn (EBOE) weiterverkauft. 1955 erhielt die Hersfelder Kreisbahn (HKB) zwei Privatbahn-VT 98 (VT 50/51) und den „kurzen“ Orion-Beiwagen VB 60, der als einziger 4,5-Meter-Beiwagen regulĂ€re Zug- und Stoßeinrichtungen aufwies. Im selben Jahr erhielt die Kleinbahn Weidenau–Deuz (KWD) zwei Triebwagen (VT 21/22), die 1968 an die Eisenbahn Altona-Kaltenkirchen-NeumĂŒnster (AKN) gingen und 1978 verschrottet wurden. Denselben Weg ging der 1956 an die KWD gelieferte VT 26. Dazu kamen die Beiwagen VB 23–25, von denen ersterer bei der Hochwaldbahn erhalten blieb.cite-ref-ejs51ff-35-2[35]

Die Essener Steinkohlenbergwerke AG kaufte 1958 einen Privatbahn-VT 98 fĂŒr den Personentransport zwischen zwei Schachtanlagen. Das Fahrzeug verunfallte im Jahr 1969 und wurde anschließend verschrottet. 1959 erhielt die HKB nochmals ein solches Fahrzeug (VT 52), das bei der ARGE Schienenbus noch existiert. Der 1960 als VT 27 an die KWD gelieferte Triebwagen kam 1968 zur AKN (VT 2.24) und 1984 zur Interessengemeinschaft Schienenbus Seelze (ISS). Die letzten vier Fahrzeuge dieser Bauart gingen an die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn (EBOE):cite-ref-ejs51ff-35-3[35]

‱ VT 27 (1961), 1981 als VT 3.07 zur AKN, seit 2007 als VT 27 bei der Westmecklenburgischen Eisenbahngesellschaft (WEMEG)
‱ VT 28 (1961), 1981 als VT 3.08 zur AKN
‱ VT 3.09 (1967), 1981 zur AKN
‱ VT 3.10 (1968), 1981 zur AKN, 1990 nach Unfall verschrottet

VT 95 im Ausland

Luxemburg

Die Chemins de Fer Luxembourgeois (CFL) kauften 1951 zehn kurze Trieb- (identisch mit dem VT 95 911)cite-ref-rl100-8-1[8] und zehn Beiwagen der Prototyp-Serie. Die viertĂŒrigen Fahrzeuge erhielten die Betriebsnummern Z 151 bis 160 (Triebwagen) beziehungsweise RZ 1051 bis 1060 (Beiwagen). Der Triebwagen Z 155 wurde im Februar 1955 bei einem Auffahrunfall auf der Strecke PĂ©tange–EttelbrĂŒck schwer beschĂ€digt und nicht wieder instand gesetzt. Ein elfter Triebwagen mit der Nummer Z 161 folgte daher im MĂ€rz 1956 nach Luxemburg. Er entsprach den VT 95-Serienwagen, hatte aber eine Trichterkupplung und halb herablassbare Seitenfenster.cite-ref-36[36] ZunĂ€chst waren die Luxemburger Wagen wie die deutschen Fahrzeuge rot lackiert. AnlĂ€sslich der ersten Zwischenuntersuchung wurden sie 1954/55 auf die CFL-Farben perlgrau/rot umgespritzt, der NachzĂŒgler Z 161 wurde bereits ab Werk so geliefert. Die Schienenbusse waren auf fast allen Luxemburger Bahnstrecken anzutreffen, grenzĂŒberschreitend erreichten sie Trier und die belgischen Orte Arlon und Benonchamps.cite-ref-37[37]

Die Triebwagen waren generell mit einem Beiwagen unterwegs. Am 24. Oktober 1968 wurden sechs Garnituren abgestellt, die verbleibenden vier ZĂŒge wurden am 17. Juli 1970 ausgemustert. Im April 1973 wurden die letzten Fahrzeuge verschrottet, lediglich ein Zug ist erhalten geblieben. Der Triebwagen Z 151 wird heute bei der Museumseisenbahn im Industrie- und Eisenbahnpark Fond-de-Gras eingesetzt, der Beiwagen RZ 1055 ist dort als umnummeriertes AusstellungsstĂŒck RZ 1061 vorhanden.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]

Österreich

1953 gingen die beiden ersten zweimotorig gebauten Uerdinger Schienenbusse als VT 10.01 und 10.02 an die Graz-Köflacher Eisenbahn (GKB). Sie entsprachen den Prototypen des VT 98, die mit Oberlichtfenstern, Scharfenbergkupplungen und StoßfederbĂŒgeln optisch dem VT 95 glichen. Ab 1970 erwarb die GKB von der Deutschen Bundesbahn vier VT 95 aus den Jahren 1951/52, die sie als VT 50.01–04 bezeichnete, sowie fĂŒnf Beiwagen des Typs VB 142.

Die Montafonerbahn beschaffte 1955 die beiden einmotorigen Triebwagen VT 11 und VT 12 (spĂ€ter: VT 10.111 und 112), die sich von der Baureihe VT 95 nur durch die herablassbaren Seitenfenster unterschieden. Hinzu kam 1956 als einziger „echter“ Steuerwagen der VT 95-Bauartcite-ref-40[40] der passende Steuerwagen VS 21 (spĂ€ter: VB 10.112).cite-ref-41[41]

Jugoslawien

Die jugoslawische Staatsbahn Jugoslovenske Ćœeleznice (JĆœ) bestellte um die Jahreswende 1954/55 zehn Trieb- und zehn Beiwagen. Zwischen dem 12. April und dem 4. Mai 1955 lieferte Uerdingen die Wagen aus. Bei den Triebwagen Dmot 126 000–009 handelte es sich um Serien-VT-95 ohne Oberlichter, die Beiwagen C 37 500–509 wiesen – abweichend von der deutschen Version – einen Achsstand von sechs Metern und kein GepĂ€ckabteil auf.

Da sich die als „Ơinobus“ bezeichneten Fahrzeuge bewĂ€hrten, wurden bis 1967 264 Trieb- und ebenso viele Bei- beziehungsweise Steuerwagen nachbestellt. Diese wurden bei der Firma Gosa in Smederevska Palanka in Lizenz gebaut und – im Gegensatz zu den roten originalen Uerdingern – silber lackiert. Ihre Seitenfenster waren bis zur HĂ€lfte herablassbar, die ZugĂ€nge mit einer zusĂ€tzlichen unteren Trittstufe versehen. Im Laufe der Zeit wurden sĂ€mtliche vorhandenen Beiwagen zu Steuerwagen umgebaut, die Baureihenbezeichnung Ă€nderte sich in B 812 (Triebwagen) beziehungsweise B 818 (Steuer- und Beiwagen).cite-ref-42[42]

Italien

Sieben Trieb- und vier Steuerwagen der Uerdinger Bauart wurden von der Firma Macchi-Fer in Varese in Lizenz gebaut. Die Triebwagen entsprachen mit einem BĂŒssing-U-10-Motor weitgehend dem Serien-VT-95, sie waren jedoch nur 12,75 Meter lang und hatten normale Zug- und Stoßvorrichtungen. Mit einem Achsstand von sechs Metern glichen die Steuerwagen den VS 98 der Deutschen Bundesbahn. Die als ALn 1201–1205 bezeichneten Triebwagen sowie die Steuerwagen RP 2001 und 2002 liefen bei der Azienda Consorziale Trasporti (ACT) in Reggio nell’Emilia, zwei Trieb- (AD 21 und 22) und zwei Steuerwagen (RP 221 und 222) bei der Ferrovie del Sud Est (FSE) im Bereich Bari.cite-ref-43[43]

Uruguay

In den Jahren 1980 bis 1982 erwarb die staatliche Eisenbahngesellschaft AdministraciĂłn de Ferrocarriles del Estado (AFE) von der Deutschen Bundesbahn in mehreren Etappen 16 gebrauchte VT 95 und 12 VB 142. Die Triebwagen erhielten die Betriebsnummern 151–166, die Beiwagen die Nummern 51–62. In der Regel verkehrten sie als ZweiwagenzĂŒge auf sĂ€mtlichen von Uruguays Hauptstadt Montevideo ausgehenden StreckenĂ€sten.cite-ref-44[44] Der ehemalige VT 95 9542 stand noch im Jahr 2012 im Vorortverkehr von Montevideo im Einsatz.cite-ref-db-1951-1952-31-1[31]

Nachfolger

Auf dem hier behandelten Typ basieren die zweimotorigen Triebwagen der Baureihe VT 98 sowie dessen Zahnradvariante VT 97. Ihre WagenkĂ€sten waren ebenfalls 12,75 Meter lang,cite-ref-ejs34-21-1[21] die Fahrzeuge hatten jedoch regulĂ€re Zug- und Stoßeinrichtungen, zudem gab es auch Steuerwagen.

Verbleib

Mehrere Triebwagen VT 95 und Beiwagen VB 142 sind in Museen und bei Museumsbahnen erhalten.

‱ VT 95 9396 und VB 142 307 der Berliner Eisenbahnfreunde e. V. im Heidekrautbahnmuseum in Basdorf
‱ VT 95 9626 mit Beiwagen der Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft in Gerolstein
‱ 795 122 Privat, in Essen-Kupferdreh
‱ 795 240 und 995 019 im Depot Lichtenfels des DB Museum NĂŒrnberg
‱ 795 465 des Deutschen Technikmuseums in Berlin
‱ 795 627 und 995 497 der Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde e. V. (Trieb- und Beiwagen abgestellt)
‱ 795 414 und 995 409 des Eisenbahnmuseums Dieringhausen
‱ 795 662 des Chemin de fer Ă  vapeur des 3 vallĂ©es im belgischen Treignes (dunkelgrĂŒn mit gelben Frontstreifen lackiert)
‱ 795 669 der Association des MusĂ©es et Tourisme Ferroviaires (AMTF) im luxemburgischen Fond-de-Gras, Lackierung wie 795 662
‱ Luxemburger Triebwagen (kurze PrototypausfĂŒhrung) Z 151 und Beiwagen RZ 1061 (vorm. RZ 1055) der CFL bei der AMTF
‱ VT 52 der Hersfelder Kreisbahn bei der Interessengemeinschaft Kreisbahn Hersfeld-Heimboldshausen

Literatur

‱ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus – Nebenbahnretter und Exportschlager. Franckh's Eisenbahnbibliothek, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1985, ISBN 3-440-05463-2
‱ Die Schienenbusse der DB – VT 95/98. Eisenbahn-Kurier Special. EK-Verlag, Freiburg 1990
‱ Schienenbusse der DB – Der „Uerdinger“ – Retter der Nebenbahnen. Bahn Extra 5/2009, GeraMond, MĂŒnchen September/Oktober 2009
‱ Jörg Hajt: Abschied vom Schienenbus. Heel Verlag, Königswinter 1998, ISBN 3-89365-664-2
‱ 50 Jahre Uerdinger Schienenbus. Eisenbahn-Kurier Special 56. EK-Verlag, Freiburg 2000
‱ Malte Werning: Schienenbusse – VT 95 – VT 98: Triebwagen-Veteranen der 50er Jahre. GeraMond 2001, ISBN 3-7654-7102-X
‱ Andreas Kabelitz, Malte Werning: VT 95-98 – Uerdinger Schienenbus. Eisenbahn-Journal Sonderausgabe, Nr. 1/2012. ISBN 978-3-89610-355-0.
‱ JĂŒrgen-Ulrich Ebel, Josef Högemann, Rolf Löttgers: Schienenbusse aus Uerdingen. Band 1., Technik und Geschichte bei DB, Privatbahnen und im Ausland. EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-88255-221-2
‱ JĂŒrgen-Ulrich Ebel, Josef Högemann, Rolf Löttgers: Schienenbusse aus Uerdingen. Band 2., Einsatzgeschichte der Baureihen VT 95, VT 97 und VT 98. EK-Verlag, Freiburg 2002, ISBN 3-88255-222-0
‱ JĂŒrgen Krantz, Roland Meier: Alles ĂŒber den Schienenbus. transpress Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-71313-0

Weblinks

Commons

: DB VT 95

– Sammlung von Bildern

‱ Die Baureihe 795 auf roter-brummer.de
‱ Die Baureihe 795 auf Bahn-Galerie.de
‱ CFL – SĂ©rie 150 Uerdinger mit zahlreichen Fotos von Luxemburger Trieb- und Beiwagen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1985, ISBN 3-440-05463-2, S. 8.
cite-note-de40ff-22. ↑ Malte Werning: Der Einmotorige in: Lok Magazin 12/2023, S. 40 ff.
cite-note-jh21-33. ↑ Jörg Hajt: Abschied vom Schienenbus. Heel, Schindellegi 1998, ISBN 3-89365-664-2, S. 21.
cite-note-44. ↑ Omnibusse auf Schienen in: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus (Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012), S. 15.
cite-note-ejs19-55. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 19.
cite-note-rl16-66. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 16.
cite-note-ejs22-77. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 22.
cite-note-rl100-88. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 100.
cite-note-99. ↑ Eisenbahn-Kurier Special 16: Die Schienenbusse der DB, S. 40 ff.
cite-note-1010. ↑ Lok Magazin 8/2018, S. 48.
cite-note-rl14-1111. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 14.
cite-note-md50-1212. ↑ Michael Dostal (Hrsg.): Diensttriebwagen, Schienenbusse. GeraMond, MĂŒnchen 2018, ISBN 978-3-7654-7525-2, S. 50.
cite-note-1313. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 102 ff.
cite-note-1414. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 20.
cite-note-jh23-1515. ↑ Jörg Hajt: Abschied vom Schienenbus, S. 23.
cite-note-ejs21-1616. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 21.
cite-note-jh22-1717. ↑ Jörg Hajt: Abschied vom Schienenbus, S. 22.
cite-note-1818. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 41 f.
cite-note-ejs51-1919. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 51.
cite-note-2020. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 27.
cite-note-ejs34-2121. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 34.
cite-note-rl19-2222. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 19.
cite-note-2323. ↑ Lok Magazin 2/2014, S. 45.
cite-note-2424. ↑ Eisenbahn Kurier Special 16: Die Schienenbusse der DB, S. 45.
cite-note-md70ff-2525. ↑ Michael Dostal: Diensttriebwagen, Schienenbusse, S. 70 ff.
cite-note-2626. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 12.
cite-note-ejs26-2727. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 26.
cite-note-2828. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 29.
cite-note-2929. ↑ saar-nostalgie.de
cite-note-3030. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 20 ff.
cite-note-db-1951-1952-3131. ↑ Das war die DB 1951/1952, GeraMond Verlag MĂŒnchen, 2012, ISBN 978-3-86245-005-3, S. 63.
cite-note-3232. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 55.
cite-note-3333. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 93.
cite-note-ejs54-3434. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 54.
cite-note-ejs51ff-3535. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 51 ff.
cite-note-3636. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 102.
cite-note-3737. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 104 ff.
cite-note-3838. ↑ MatĂ©riel AMTF Diesel bei train1900.lu, abgerufen am 2. Juli 2021
cite-note-3939. ↑ CFL - SĂ©rie 150 Uerdinger bei rail.lu, abgerufen am 2. Juli 2021
cite-note-4040. ↑ Eisenbahn Journal Sonderheft 1/2012: VT 95–98 Uerdinger Schienenbus, S. 60.
cite-note-4141. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 121 ff.
cite-note-4242. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 113 ff.
cite-note-4343. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 118 ff.
cite-note-4444. ↑ Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, S. 149 ff.